top of page

2025 Namibia: Mein grosses Abenteuer

  • info352622
  • 22. Nov. 2025
  • 36 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Dez. 2025


Hier kommt mein Blog meines Reiseberichts aus Namibia Tag -5: Wie konnte es dazu kommen? Alles fing an mit einer Geburtstagsfeier einer lieben Schulkameradin, die mich zu ihrem 60. Geburtstag nach Rendsburg einlud. Ich konnte nicht ahnen, dass ich dort einen Menschen begegnen werde, der mein Leben nachhaltig bereichern sollte. Ich lernte Ines kennen und seitdem begleiten wir uns auf unserem Lebensweg. Auch wenn Ines nach ihrem Äusseren eher Schweden zuzuordnen wäre, stammt sie aus Namibia, einer ehemaligen deutschen Kolonie in Afrika. Und so kommt es. dass wir unseren ersten grossen Urlaub in ihrer Heimat in Swakopmund verbringen. Und damit nicht genug, ich habe mich in meinem jugendlichem Leichtsinn auch noch dazu verleiten lassen, an dem Mountainbike Rennen "Desert Dash" teilzunehmen. Aber dazu später mehr. Nun sind es noch 5 Tage bis zum Abflug. Was einst so fern erschien kommt immer näher. Mit jedem Tag steigt meine Neugier, die Heimat von Ines kennenzulernen und authentisch zu erleben. Allerdings wird meine Neugier auch von zunehmender Aufregung und Respekt begleitet, was vor mir liegt und was mich erwarten wird. Let's see.....



Tag 0:


Heute ist es also soweit. Leute, wie die Zeit vergeht. Waren es bisher Gedanken die mehr meiner Phantasie als der Realität entsprechen (mein erstes Bild im Kopf waren mit Bambus bedeckte Strohhütten, davor stehend bunt bemalte schwarze Menschen mit Knochen in der Nase), formen sich langsam meine Vorstellungen, was mich dort erwartet.


Davor kommt aber das Packen... ihr kennt sicher das Gefühl wenn, man bereits das halbe Wohnarsenal auf Tisch, Stuhl und Sofa bereit gelegt hat, aber immer noch glaubt man hätte die Hälfte vergessen (um dann, wie immer, festzustellen, dass man viel zu viel eingepackt hat). Aber hier mal ein Blick in meine Vorbereitungen:


Aber immerhin, gefühlt 5 Stunden später bin ich fast reisefertig:


Ich fahre jetzt los und hole Ines ab. Sie nimmt ihr Rad mit, das müssen wir noch gemeinsam einpacken. Dann den Uber XXL bestellen und ab zum Flughafen. Dort treffen wir Antonia, Ines Tochter. Sie fliegt mit uns gemeinsam runter und fährt auch den "Desert Dash" mit ... aber davon erzähle ich später mehr...


Ach ja, ganz wichtigh: werfen wir mal noch einen Blick auf das Wetter. Vielleicht packe ich doch noch eine Badehose ein...


..

Das erste Abenteuer steht bereits an: Wie kommen wir an den Flughafen mit einem Fahrradkoffer, drei weiteren grossen Reisetaschen bzw -koffern, Fotorucksack, Handgepäck ... oje... wir haben Gepäck wie ein Kegelverein. Aber Uber hat das richtige Fahrzeug, das passt aber jetzt auch nichts mehr rein.




Die erste Etappe zum Flughafen wäre schon mal geschafft. Hier treffen wir Antonia, meine mutige Mitstreiterin für den "Desert Dash" ... aber davon wollte ich Euch ja später erzählen. Die Zeit bis zum Einsteigen nutzen wir noch für etwas Sinnvolles: Abschiedszeremonie mit Aperol und Äppler


Immerhin der Flieger ist pünktlich und wir haben schöne Plätze in der Premium Economy (Business war leider mit Vollzahlern belegt, unerhört....).



Der Flug war soweit ganz angenehm, auch wenn Schlafen im Sitzen nicht zu meinen Kernkompetenzen gehört. Wir hatten eine total nette Crew, der wir auch von meinem Vorhaben erzählt haben, den "Dash" zu fahren (ihr wisst, das Ding vo dem ich Euch später noch erzählen werde...). Als Motivation habe ich dieses Abschiedsgeschenk überreicht bekommen. Irgendwie scheint die Crew aber schon den Ausgang des "Desert Dash" zu kennen, woher auch immer.





Tag 1:


und dann ist es soweit: ICH BIN IN NAMIBIA !!!!



Wir werden abgeholt von Martin (Ines Bruder) und Kim (langjähriger Freund der Familie). Der Plan ist, dass wir die Strecke des "Dash" einmal abfahren. Wenn wir wüssten was uns noch bevorsteht ....





Nach einem Abstecher zu Ines Mutter in Windhoek und der Abholung meines Mountain Bikes geht es los auf die Strecke, bestens gerüstet mit einem mega SUV und einem grossen wüstentauglichen Anhänger, das dachten wir zumindest...



Die Fahrt durch die Wüste ist schon mit eindrucksvollen Eindrücken geprägt. Eine sich ständig wandelnde Landschaft, schroffe Strassen und wildes Getier, von denen ich leider nur die Paviane auf dem Bagger erwischt habe. Für das Gnu, die Warzenscheine, die Antilopenfamilie und die Ohrengeier (Geier?) war das Auto leider zu schnell unterwegs (oder ich mit der Kamera zu langsam). Von Hyänen, Wildhunden, schwarzen Mambas, Skorpionen und Vogelspinnen, die mir eigentlich angekündigt waren, keine Spur ... oder noch keine Spur... und was wir ebenfalls auf unserer Strecke nicht gesehen habe: andere Autos und Menschen - bis auf drei versprenkelte Mountainbike Fahrer ... .




Es geht weiter über Schotterpisten, kleine Sandpassagen, steile Anstiege und holbrige Abfahrten. Die Landschaft wechselt ständig und bietet natürlich schöne Fotomotive am laufenden Band.




Und dann das: Bei flotter Fahrt mit Tempo 100 über die Schotterpiste plötzlich ein schroffes Schleifen, mit der der Fahrradanhänger seine Unzufriedenheit über seine Behandlung deutlich zum Ausdruck bringt....Achsenbruch.


Aber mit kreativen Ideen und ein bisschen Brachialgewalt haben wir das Ding wieder gefixt.





Wir konnten unsere Tour dann vorsichtig fortsetzen, war auch gut so, denn beim ADAC war gerade keiner erreichbar. Dafür durfte ich dann auch gleich mal die namibianische Wüste bei Nacht bestaunen.



Irgendwann kamen wir dann doch in Swakopmund an. Leider erst um 22:00 Uhr statt geplant 19 Uhr. Statt edlem Fischrestaurant dann eben Pizza take-away. Auch gut. Jetzt erstmal in die Koje und ausschlafen :-)



Tag 2:



Nach dem Ausschlafen und einem starken Kaffee ein Blick aus dem Fenster von Ines neuer Wohnung. Sie hat tatsächlich gestern Abend erst die Schlüssel dafür bekommen (trotz Verspätung) und dann sind wir hier gleich mal zu fünft eingefallen. Was man hier sieht ist der Atlantik. Leider nicht so richtig Badewannentemperatur.




Diesen Tag gehen wir erstmal ruhig an. Kleiner Strandspaziergang mit Ines und Kim (während Antonia und Martin sich bereits auf einer Rad-Etappe in der Wüste erfreuen - freiwillig natürlich)




Und dieses Zelt wird am Freitag der Anblick meiner Träume sein... ja, ich löse das auch gleich auf....




Als kulinarischer Abschluss des Tages haben wir einen gemütlich Platz in einer angesagten Beach Bar gefunden. Ich weiss Austern sind nicht jedermanns Ding, aber ich habe hier zum ersten mal Walfisch Austern gegessen ... und die sind sooo mega, schmecken viel intensiver als bei uns, besonders mit einem guten Weisswein noch dazu. Und da kann man auch gleich mal mit einem Mythos aufräumen: Gott lebt überhaupt nicht in Frankreich, das muss Namibia sein ....


Antonia und Martin haben sich mittlerweile auch noch dazu gesellt und es wurde ein schöner feucht-fröhlicher Abend, nicht wahr Kim?



Wir haben den Tag bis zum Sonnenuntergang ausgekostet. Allerdings waren wir froh, das Martin mit dem Auto gekommen ist, das hat den Heimweg deutlich erleichtert.




Tag 3:


Jetzt wird es aber mal Zeit zu erklären, warum ich überhaupt hier bin (ich muss mir das auch immer mal wieder vor Augen führen, dass ich es wirklich glaube)


"

The Desert Dash 2025 - An Untamed Story

What began as a simple Windhoek-to-Swakopmund cycle among friends now echoes across the globe as the Nedbank Desert Dash – a legendary 24-hour endurance race. International cyclists are drawn to the formidable 401km Namibian route, battling its harsh beauty for the ultimate test. With Nedbank Namibia's vital support, this event has not only become a key fixture in sports tourism but a crucible where personal challenges transform into enduring legends under the vast Namibian sky.


The Nedbank Desert Dash 2025 is set to take place from December 5 to 6, covering a challenging 401 km route from Windhoek to Swakopmund in Namibia.


Event Details


"

Zugegeben, ist fahre nicht den ganzen Dash. Man kann auch "nur" den halben Dash fahren, sich die Strecke aufteilen und in einem Team fahren, bei dem sich die Fahrer abwechseln, die letzte Strecke aber gemeinsam fahren müssen. Ich fahre die 3. Strecke (87km), mein Team-Kollege Charles dann die 4. Strecke (84km). Die 5. Strecke muss das Team dann gemeinsam bis ins Ziel fahren (nochmal 50km). So zumindest der Plan.


Heute wollen wir mal zur Probe die letzte Etappe fahren. Los geht's um 7:00 Uhr. Ich konnte bei dieser Gelegenheit auch meinen Team-Mate Charles kennenlernen, ein Namibianer der in seinem Leben gefühlt nichts anderes macht als Radfahren. Na, wenn das mal gut geht ...





Nach einem schnellen Kaffee und einem Power Müsli geht es an das Beladen und die Fahrt an unseren Startpunkt. Die Landschaft ist relativ karg (Wüste eben) aber auch sehr beeindruckend (Wüste eben). Man möchte so gerne all die Eindrücke sammeln, die auf einen einprasseln, besonders wenn man das zum ersten mal erlebt. Ich hoffe die Bilder vermitteln zumindest etwas den Eindruck dieses besonderen Landes.


Ein Teil der Strecke in die Berge führt uns durch die sogenannte "Mondlandschaft", eine Anhäufung skurriler Felsformationen, die Neil Armstrong sicher auch nicht besser gesehen hat.




Schliesslich sind wir an unserer Startposition angekommen und der Ernst des Tages beginnt



Und gleich zu Anfang zeigt mir der Trail mal wo der Hammer hängt. Abgesehen davon, dass die Sonne mittlerweile durch den Morgendunst gebrochen ist und uns herzlich aber bestimmt einen guten Tag wünscht darf ich mich gleich mal durch den tiefen Wüstensand furchen. Fahrgefühl etwa so wie auf einem Schwebebalken mit zwei Bierkästen in der Hand (die man zuvor ausgetrunken hat). Selbst mein Garmin verweigert seinen Dienst die richtige Route durch den Sand zu finden als wolle er mir sagen: "Hast Du dir das auch genau überlegt? Noch ist es Zeit umzukehren". Ich ignoriere diesen wohlgemeinten aber völlig überflüssigen Ratschläge und kämpfe mich wie in "Herr der Ringe" mit meinen Weggefährten durch die Wüste, was sich allemal mit dem Gang nach Mordor vergleichen lässt. Berge hoch, Berge runter, nicht enden wollende Steigungen Tritt für Tritt nach oben kämpfen... und dabei noch die GoPro bedienen (sonst wäre das ja zu einfach)..


Auf halber Strecke (Oh Gott, erst) kommt uns Ines mit dem Auto entgegen und bringt uns Nachschub für die Trinkflaschen (Wasser kann sooo gut schmecken) und bisschen was zu beissen.




Die Sandgrube haben wir nun hinter uns gelassen und ich freue mich schon auf das gemütliche Ausrollen nach Hause. Wenn da nur dieser Wind nicht wäre... warum eigentlich IMMER Gegenwind? Spätestens hier bin ich soooo dankbar dass Charles mein Teampartner ist. Charles fährt in den Wind wie ein Teufel und wird nicht von diesem gebremst (also vom Wind, nicht vom Teufel) sondern von MIR, weil ich selbst im Windschatten Mühe habe seinem Tempo zu folgen. Antonia und Martin sind ohnehin schon ausser Sichtweite, ich vermute sie haben einen der wenigen Pick-Ups als Mitfahrgelegenheit ergattern können, anders kann ich mir das nicht erklären.


Fuhren wir Anfangs noch mit einem Schnitt von 20km/h gen Heimat (also eine Fahr-Stunde) verringerte sich mein Tempo in schöner Stetigkeit, so dass ich egal wie lang ich auch fuhr immer noch eine Fahr-Stunde vom Ziel entfernt war. Zeit für ein paar Schnappschüsse auf der Strecke war trotzdem



Aber letztlich kam ich Dank Charles erschöpft aber auch ein bisschen glücklich Hauptsache gesund wieder zu Hause an und wurde gebührend von Ines wieder in Empfang genommen.


Das eigentliche Rennen startet am Freitag, Antonia und ich werden um 0:00 Uhr losfahren. Man sieht zwar nichts, aber dafür ist es wenigstens windstiller. Und ich habe noch 4 Tage und 18 Stunden zum Recovern.



Tag 4:


Heute steht nichts Besonderes auf dem Programm. Wir werden von Swakopmund wieder zurück nach Windhoek fahren. Dort besuchen wir Karen, Ines Mutter, und übernachten auch dort. Ausserdem bringen wir das Auto und die Räder zur Inspektion, damit sie für das Rennen fit sind. Von mir spricht natürlich keiner, Autos und Räder haben es einfach besser im Leben ...


Nach Windhoek sind es ca 400 km. Wir fahren diesmal über eine ausgebaute Fernstrasse, daher rechnen wir diesmal mit knapp 4 Stunden anstatt mit 10 Stunden wie am ersten Tag. Die Strasse führt uns zunächst durch die Wüste. Die Strassen erinnern mich an den Urlaub mit meiner Tochter Nina 2020 in den USA. Endlose Strassen geradeaus mit viel Nichts drum rum, aber schöne Bergpanoramen im Hintergrund.




Baustellenampeln werden hier noch liebevoll von Hand bedient:




Gegen Mittag wird es draussen schön warm, andere würden es unerträglich heiss nennen. Kurz vor Windhoek findet sich eine kleine Autobahn Oase, bei der wir uns erstmal mit etwas Stärkung versorgt haben. Die Trockenwürste hier sind eine Spezialität und voll lecker. Ich will aber gar nicht erst wissen aus welchem Getier die gemacht werden.



Auf der weiteren Fahrt wurde ich tatsächlich noch Zeuge eines hier gar nicht sooo seltenen Naturschauspiel: eine Windhose.




Gleich sind wir am Ziel angekommen werde ich von Milli und Lotta begrüßt. .



Jetzt freue ich mich auf ein eiskaltes Wasser und einen Eiskaffee :-) Und zum Abend noch auf einen Sundowner mit Karen und Ines.





Tag 5:


Der Tag fängt erfreulicherweise entspannt an. Erstmal ausschlafen und gemütlich Kaffee trinken. Die Inspektion des Autos dauert doch etwas länger als geplant, so dass wir erst heute nachmittag Richtung Farm losfahren können. Eine willkommene Verlängerung der Pause, es ist heute brütend heiss und im Auto wäre das trotz Klimaanlage kein Spass. Bis wir etwas später in der Nähe noch einen Happen Essen gehen, such ich noch ein paar Schnappschüsse im Garten




Karen lädt uns zum Mittagessen in die "Wilde Eend" ein. Ein schnuckliges kleines Restaurant mit schönen schattigen Plätzen und einer gut sortierten Speisekarte. Besonders der alkoholfreie (!) Rock Shandy hat es mir angetan, sehr lecker. Die Preise sind nach Frankfurter Massstäben unverschämt günstig. Zum Essen begleitet uns eine "Light Metal Group" die eine schöne, aber unhörbare Musik spielte ;-)




Nach einem schönen kurzen Mittagsschlaf heisst es wieder Koffer packen und wir fahren etwa 180km auf die Farm. Die Fahrt dorthin wird wieder einmal von schönen Natureindrücken begleitet. Es ist dieses mal auch etwas bewölkt, so dass ich sogar ein Bergpanorama mit Licht und Schatten fotografieren kann. Ich bin wieder einmal von diesen weitläufigen, nicht enden wollenden Strassen und Landschaften beeindruckt. Und auf dem Weg hat sich Antonia noch als wagemutige Schildkröten-Retterin gezeigt und das kleine Tier von der Strasse ins Gras gehoben




Wir erreichen gerade noch zum Sonnenuntergang die Farm und werden mit einem herrlichen Schauspiel der untergehenden Sonne begleitet.




Wir genehmigen uns einen Sundowner am offenen Feuer, haben noch ein kleines Abendessen mit selbst gejagtem und selbst gemachten Rauchfleisch und fallen nach einer letzten Flasche Bier erschöpft ins Bett. Autofahren ist eben auch anstrengend, vielleicht sogar mehr als Radfahren.





Tag 6


Es ist ja nicht leicht, einen tiefenentspannten Frührentner zu einer noch grösseren Entspannung zu bringen. Aber eine Möglichkeit ist definitiv eine abgelegene Farm mitten im Nirgendwo in Namibia. Ausser ein paar yellenden Schakalen und zirpenden Grillen hört man hier nachts so gut wie nichts.


Die Farm ist überwältigend. Sie wird besonders von Jägern gebucht. Da zur Zeit aber keine Jagdsaison ist, sind auch keine Gäste auf der Farm und wir fünf sind unter uns. Die Farm ist ziemlich luxuriös aber gemütlich zugleich. Dazu wird sie gut bewacht von Rocky und Tinka, die süssesten Wachmänner seit es Hunde gibt



Heute geht es nach einem Minifrühstück und einem löslichen Kaffee mit Milch raus auf die Farm mit einem kleinen Pickup. Es überkommt einen so ein bisschen Raumschiff Enterprise Feeling... endlose Weiten, die Farm ist riesig. Kim und zwei Arbeiter vermessen das Land, dass von den Angestellten bearbeitet wurde. Es geht mitten durch den Busch. Ein bisschen scheues Wild kann man beobachten, ansonsten sind Weidekühe die dankbareren Fotomotive. Sie haben eine störrische Ruhe als seien sie im Schweizer Alpenvorland. Faszinierend sind auch die zahlreichen Termitenhügel. Die sind mannshoch und stehen überall rum wie Ritterburgen im Rheintal.



Gegen Mittag entfliehen wir der immer stärker sengenden Sonne und stärken uns mit einem gesunden Salat mit Antilopenstreifen und gehen eine Runde im kleinen aber sehr erfrischenden Pool schwimmen.



Am Nachmittag fahre ich mit Kim und Julian (er ist ein Angestellter auf der Farm) nochmal raus zum Jagen. Das Wild hier wird zum Eigenverzehr geschossen und auch hier auf der Farm zerlegt. Die Antilopenstreifen vom Mittagessen stammen auch von so einem Tier. Auf der Fahrt ins Revier erlebe noch etwas Neues: Regen in Namibia. Von weitem sieht man wie der Regen aus den Wolken bricht und in einiger Entfernung lassen sich auch einige Blitze nieder. Bei uns fallen ein paar vereinzelte Tropfen, Regen ist das allerdings nicht.



Plötzlich verlangsamt Julian die Fahrt und deutet in etwa 100m Entfernung in den Busch. Dort lunst neugierig eine Oryx Antilope aus dem Busch. Vorsichtig legt Kim das Gewehr an, es knallt und die Antilope sinkt zu Boden. Etwas weiter dahinter ist ein zweites Tier zu sehen, auch dieses entgeht nicht seinem Schicksal. Auch Kim widerfährt ein Missgeschick als er in der Eile den Schuss etwas zu unkontrolliert abgibt ... aber über Details habe ich mit ihm Stillschweigen vereinbart, zu sehr kratzt es an seiner Jäger Ehre.



Den Abend lassen wir mit einem gemeinsamen Essen mit Salat und Gegrilltem ausklingen ... natürlich mit Fleisch von der Antilope



Tag 7


Der heutige Tag fängt früh an.... sehr früh. Um 0:30 ist ein leises kratzendes Geräusch im Zimmer zu hören. Nach einigem Rätselraten ist der Verursacher des Geräusches identifiziert: eine Maus. Aber fang mal eine Maus mitten in der Nacht. Also heisst die Strategie einfach ignorieren. Wir haben natürlich die Rechnung ohne die Maus gemacht, die Lust auf einen Ausflug quer durch das Bett hatte und auch noch frecherweise über Ines Gesicht gelaufen ist. Da hatte dann die Maus die Rechnung ohne uns gemacht, denn da versteht Ines keinen Spass.... kurze Zeit später hatten wir Ruhe für den Rest der Nacht ... die Maus allerdings für immer.


Als Entschädigung für die aufregende Nacht konnten wir uns mit einem schönen Sonnenaufgang entschädigen.




Am späten Vormittag machen wir uns wieder auf den Weg nach Windhoek und von dort weiter nach Swapkopmund, entspannende 680 Kilometer... Da wir uns ab hier in zwei "Reisegruppen" aufteilen, wechseln wir für die Rückfahrt unseren fahrbaren Untersatz





Ein kleiner Zwischenstopp ist noch von Nöten: Die Registrierung für das Rennen. Jetzt gibt es kein zurück mehr ... Augen zu und durch




Danach begeben wir uns aber tatsächlich auf den Weg zurück nach Swapkopmund. Die Fahrt ist lang und stellenweise wirklich abenteuerlich, um nicht zu sagen sogar ziemlich gefährlich. Aber Ines steuert den Land Cruiser wie einen Tanker durch den Ozean. Nach einem Tank-Zwischenstopp, bei dem ich meinen Augen nicht trauen wollte, weil der Zähler der Zapfsäule erst bei 127 Liter (!!!) aufhörte zu laufen und das obwohl der Tank nicht mal leer war, fuhren wir in den Sonnenuntergang hinein, wie immer mit einem unvergesslichen Naturschauspiel.




Endlich angekommen und wir dürfen ins Bett fallen...ich fange sicher schon bald an von Bergen, Wind und tiefen Sand zu träumen .... wie schööööön....



Tag 8


Heute ist DER Tag. Um 0:00 Uhr Ortszeit (Freitag auf Samstag) beginnt das Rennen. Daher für jetzt mal kurz Pause mit dem Blog um die seelische und mentale Vorbereitung zu beginnen. Wenn ich das Rennen überlebe, melde ich mich wieder....


Also um es vorweg zu nehmen: Ja, ich habe es überlebt, wenn auch mit ein paar kleinen Blessuren.... aber der Reihe nach:


Der Tag beginnt mit ein paar Vorbereitungen. Der Vorderreifen meines Mountainbikes verliert Luft und muss noch einmal repariert werden. Dann wechsele ich auf der Bank noch Bargeld. Beim Kurs von 1 EUR zu 20 NAD fühlt man sich beim im Empfang nehmen des dicken Geldbündels so ein bisschen wie ein Millionär. Danach zeigt mir Ines ein kleines schnuckliges Cafe, in dem wir uns mit einem leckeren Omelette stärken.



Abends um 19:00 trifft Charles ein, mit dem ich als Team den Half Dash fahren werde. Wir laden die Räder auf den Toyota Geländewagen um und machen uns auf den Weg zum Startplatz. Und wie man das früher aus der Schule kennt, habe ich mir einen kleinen Spickzettel mit dem Streckenverlauf auf den Arm gemalt.



Das Auto ist nicht mehr das Jüngste und man merkt schnell welch technische Fortschritte der Automobilbau in den letzten 20 Jahren vollzogen hat. Radio brauchen wir auch keins, denn bei dem Geklapper über die ausgefahrene Schotterpiste (die hier niedlich "Pad" genannt wird) würde man ohnehin kein Ton verstehen. Also fahren wir erwartungsvoll durch die Nacht und sehen ... NICHTS. Es ist stockdunkel und auch der Vollmond, der jetzt aufgegangen ist, hilft hinter den dicken Wolken nicht wirklich viel weiter. Es ist auch wenig hilfreich wenn die entgegenkommenden Autos uns noch zusätzlich in einer dicken Staubwolke einhüllen. Also vertrauen wir unserer Fahrerin, dass sie den richtigen Strassenverlauf erahnen wird.



Hat auch fast geklappt, bis auf den Hügel, der die Sicht über die weitere Entwicklung der Strecke versperrt, so dass wir von einer Rechtskurve überrascht werden, die ganz sicher gestern noch nicht da war. Der Toyota macht einen glücklichen Hüpfer in die Sanddüne und fühlt sich als Geländewagen dort sichtbar wohl. Wenigstens einer von uns ... Glücklicherweise ist uns nichts passiert, nur der Wagen hat aufgesetzt und möchte sich nicht mehr bewegen. Aber hier herrscht Teamgeist und ein nachfolgender Wagen hält an. Mit vereinten Kräften befreien wir unseren Wagen wieder aus der misslichen Lage und wir können die letzten Kilometer störungsfrei bis zum Treffpunkt fortsetzen.



Wir treffen Martin, Kim und Antonia, die von der anderen Seite aus Windhoek angereist sind und schon einige Zeit vor uns angekommen sind. Wir bereiten langsam die Räder vor und stärken uns nochmal mit der Bolognese von Kim. Da kann jetzt wirklich nichts mehr schiefgehen.



Wir rollen langsam zum Startplatz. Wir sehen auf der gegenüberliegenden Seite die Rennfahrer von der vorhergehenden Strecke ankommen (der erste Solofahrer ist zu dieser Zeit bereits in Swakopmund im Ziel angekommen.... Wahnsinn).



Der Countdown läuft, ich bin bereit ... Der Streckenposten zählt ...9..8..7..6..5..4..3..2..1.. und los!!



Tag 9


Es ist genau 0:00 Uhr und die Meute setzt sich in Bewegung.



Antonia, die eben noch neben mir gestanden hat, ist nur noch als roter Lichtpunkt ihres Rücklichts in der Ferne zu erahnen. Ich habe mir vorgenommen in meinem Tempo zu fahren. Ich habe sehr weit vorne am Start gestanden, kein Wunder also dass ein Fahrer nach dem andern an mir vorbeizieht. Aber ich möchte mir die Zeit nehmen, die Eindrücke von der Natur zu geniessen... wenn man nur etwas erkennen würde.. Man sieht vor sich nur eine lange rote Lichterkette und und einen staubigen Streifen Sand, der von den vielen Fahrradscheinwerfen ausgeleuchtet wird. Die Strecke ist zunächst wellig, dann kommen die ersten Anstiege. Bei Kilometer 12 überkommt mich langsam das Gefühl, ich hätte bei der Vorbereitung doch etwas mehr tun können. Aber nicht verzagen, erstmal den Rhythmus finden. Und tatsächlich, je länger ich fahre, desto leichter läuft es. Zwar mit einer bedächtigen Geschwindigkeit (ca 20km/h) aber in der Ruhe liegt die Kraft. Und Ankommen heisst die Devise.


Nach 44km und 2h12min erreiche ich den Verpflegungspunkt. Die Hälfte habe ich geschafft und ich fühle mich sehr gut, viel besser als befürchtet. Und dien schwierigen Teil der Etappe habe ich hinter mir, dachte ich zumindest.... Nach einer kurzen Pause und Auffüllen der Wasserflaschen mache ich mich auf den Weg der zweiten Hälfte. Die Anstiege sind zwar vorbei, dafür warten unglaublich lange und tiefe Sandbunker nur darauf, alle Fahrer in sich versinken zu lassen. Durch einige dieser Stelen schafft man es mit virtuosen, nicht immer gewollten Richtungswechseln des Vorderrades und voller Kratfanstrengung, bei andere hilft nur noch absteigen und schieben. Gemeinsames Fluchen macht stark.


Dann passiert es: ich verpasse die Umleitung an einer Gefahrenstelle und fahre schnurrstracks über eine unwirtlich aussehende Felsenformation, die lebensfeindlicher auch nicht irgendwo im All existieren kann. Ich dachte, da komme ich mit meinem Mountainbike doch sicher drüber, bis sich der Felsvorrsprung auftat, der auch durch einen kühnen Sprung nicht zu überwinden war. Statt weichem Sand war dort immer noch dieser Stein, der mich mit seiner schroffen Oberfläche an ein Korallenriff erinnerte. Vielleicht war es auch eins vor 12 Millionen Jahren. Dann dieser Augenblick, in dem man die Erkenntnis gewinnt, dass es gleich ein bisschen weh tun wird. Ich schrubbel mit meiner rechten Seite so richtig schön über die spitzen Kanten, als gäbe es nichts Schöneres. Aua, das tat weh. Ich stelle mich auf meine Füsse, hebe mein Rad hoch und spüre wie es an meinem rechten Arm schön warm wird. Blut, ziemlich viel Blut. Und ein etwas unangenehmes Brennen entlang meines Beines und meiner Hüfte. Egal, erstmal die GoPro aufheben, die den Sturz Gott sei Dank besser überstand hat als ich. Ich schaue auf meinen Garmin während ich versuche einigermassen den Schmerz zu verdrängen. Ich bin bei Kilometer 57... was eine Glück, es sind ja nur (!) noch 30 km zu fahren. Zumindest versuche ich mir mit diesen Gedanken selbst Mut zuzusprechen. Die andere Fahrer (die die Umleitung genutzt und den Felsen sicher umfahren haben, diese Weicheier) erkundigen sich nach meinem Befinden. Ich rufe ihnen zurück, dass alles in Ordnung sei, nur ein kleiner Kratzer. Mir kommt eine kleine Filmszene aus "Die Ritter der Kokosnuss" in den Sinn...


Es hilft nichts, hier mitten in der Wüste kann man nicht aufgeben, also Zähne zusammenbeissen und weiter. Das muss mein Rad auch. Ich bin wohl auf dem Schaltwerk gelandet, das mich jetzt bei jedem Tritt mit einem lauten Knarzen daran erinnert, dass ich eigentlich noch grosses Glück hatte und ich mich nicht ernsthafter verletzt habe.


Mit der entstandenen Wut im Bauch über mich selbst, wie man so blöd sein kann, schaffe ich Kilometer um Kilometer und komme nach 4:50 Stunden ins Ziel. Ines und Charles erwarten mich, das ist ein tolles Gefühl und lässt die Blessuren für einen Moment vergessen.



Charles übernimmt unser Band und saust sofort los. Nachdem sich bei Ines der erste Schrecken gelegt hat, als sie das mittlerweile geronnen Blut an meinem Unterarm entdeckt hat, begleitet sie mich erstmal zur Sanitätsstation zur medizinischen Erstversorgung.



Das Rennen ist für mich damit gelaufen, Antonia würde sagen "das bockt ja überhaupt nicht" (sie war übrigens eine glatte Stunde vor mir da, diese Maschine). Weder mein Körper noch mein Rad wären in der Lage die eigentlich noch vor mir liegenden 50km zu bewältigen.


Nach kurzer Erholungspause laden wir das Rad auf unser Auto und machen uns auf den Rückweg zum Checkpoint, bei dem wir Charles nach seiner Etappe erwarten werden. Die Rückfahrt ist genauso katastrophal wie die Hinfahrt. Die Strasse (?!?) erinnert mehr an eine nicht enden wollende Wellblechbahn. Und als wolle mir Namibia zeigen, welche Wetterphänomene es noch parat hat, ist die Pad jetzt in dichten Nebel gehüllt. Uns bleibt aber auch nichts erspart...



Irgendwann erreichen wir dann doch die Wechselstelle. Antonia und Martin sind bereits vor langem zur letzten gemeinsamen Etappe aufgebrochen. Kim serviert uns noch etwas seiner Bolognese, die er auf dem mitgebrachten Gaskocher in einem grossen Topf warm macht. Oh ist das lecker...


Wir stellen uns an den Zieleinlauf und warten auf Charles, der dann auch schliesslich nach 87 km (schrammenlos) im Ziel eintrifft. Er wird sich alleine auf den Weg der letzten Etappe machen müssen und ist leider disqualifiziert, weil der finale Zieleinlauf nur als gemeinsames Team zählt. Aber er nimmt es sportlich und ich tröste mich damit, dass ich als Ersatzfahrer ihm wenigstens die Teilnahme an dem Rennen ermöglicht habe, das ihm so viel bedeutete und auf dass er so lange hingefiebert hat. Also machen wir uns alle auf den Weg, er mit dem Rad wir mit dem Auto, nach Swapkopmund , um die Fahrer dort gebührend in Empfang zu nehmen.


Zum Glück ist der grösste Teil der Rückfahrt nun auf einer asphaltierten Strasse. Asphalt ist eine grossartige Erfindung.


In Swapkopmund angekommen eilen wir zur Zielzone und feiern die Fahrer, die erfolgreich ankommen. Es sind auch noch Freunde gekommen, gerade rechtzeitig, um die Zieleinfahrt von Antoniia und Martin zu feiern, die erschöpft aber überglücklich Hand in Hand über die Ziellinie rollen. Kurz danach hat es auch Charles geschafft. Das obligatorische Bier haben sie sich mehr als verdient. Diese Tiere! Antonia und Martin haben den vierten Platz in der der Kategorie "Mixed 2 Persons Half Dash" erreicht und wurden von allen 81 "2 Persons Half Dash" 13te. Wahnsinn! Chapeau!



Zu Hause angekommen verarztet Martin meine Wunde am Unterarm. Was kann Martin eigentlich nicht?? Es sieht aber alles gut aus, nur meine Frühsportgymnastik kann ich wohl für einige Tage nicht machen. So schaaaaade....


Wir holen uns noch Pizza und lassen in grosser Runde (Martins Kinder Lena uns Lasse sind jetzt auch dabei) den Tag noch einmal Revue passieren. Dann fallen wir alle tot ins Bett.




Tag 10


The day after... Irgendetwas erinnert mich daran, dass ich tatsächlich (zumindest zu einem Teil) an dem Rennen teilgenommen habe. Aber alles sieht immer noch gut aus und die Wunden sind nicht entzünded.


Jetzt erstmal ausruhen, Kaffee trinken, die schöne Aussicht aus der Wohnung geniessen. Ines und ich machen gegen Mittag einen Strandspaziergang. Das Meer und der Sand sind wunderbar.



Es gibt übrigens auch eine aus der deutschen Kolonialzeit stammende Bierbraukultur, hier wird nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und getrunken.



An einer Stegbrücke besuchen wir "Letty's", das dort am Ende befindliche Restaurant. Wir gönnen uns Walfisch Austern und ein Glas Chardonnay. Wir hängen alle noch ein bisschen in den Seilen. Auch für die Fahrer des Begleitfahrzeugs (Ines und Kim) war das eine Tortour.





Abends treffen wir uns alle noch im "Ocean Cellar" zum Abendessen. Die Wahl fällt auf eine ausgezeichnete Sushi Platte und .... natürlich ... Austern....





Tag 11


Heute ein Tag mit grosser Ruhe nach all dem Trubel. Antonia ist am Morgen in aller früh bereits von einem Shuttle zum Flughafen abgeholt worden. Sie fliegt heute bereits wieder nach Hause. Glücklicherweise hat sie ein Business Class Ticket ergattert und kann es sich schön gemütlich machen. Verdient hat sie es ja.


Martin ist mit seinen Kindern und Kim in Swakop in eine andere Wohnung umgezogen. So starten wir den Tag mit einem Slow Coffee und machen einen Strandspaziergang. Auf dem Weg zeigt mir Ines ein paar Hotspots: Die frühere Wohnung ihrer Familie, ihr Geburtshaus und die Fisch-Wasch-Stelle, die die Jahre unverändert überlebt hat. Gegen einen kleinen Obolus durfte ich auch zwei Schnappschüsse von den Fischern machen, die gerade dabei waren, den Fang des Tages zu putzen. Vielleicht landet ja einer der Fische heute auf unserem Teller...



Ganz am Ende der Stadt kehren wir in einer total urigen Strandbar ein, in der uns eine sehr nette, aber ziemlich aufgeregte junge Kellnerin bedient, die wohl gerade in der Anlernphase ist und auf Schritt und Tritt von ihrer Supervisorin beobachtet wird.




Wir schlendern wieder langsam zurück, bestaunen das wilder werdende Meer, das in einem immer wiederkehrenden Rhythmus hohe Wellen gegen die am Strand liegenden Felsen prallen lässt.



Der Abend wird nicht mehr lange, wir fallen ins Bett und holen ein bisschen Schlaf nach.


Tag 12


Heute morgen ist erstmal Hausarbeit angesagt. Zum Glück müssen wir nicht selbst saubermachen und die Fenster putzen. Das erledigt ein netter Profi für uns. Während hier schön geputzt wird, kümmere ich mich um meinen Blog und Ines fährt zu ihrer ersten Eigentümerversammlung. Dort wird sie auch erfahren, dass sie jetzt eingetragene Eigentümerin im Grundbuch ist. Entsprechend wird das Feiern einen gebührenden Teil des Tages einnehmen.


Nun sind die Fenster bereits blitzeblank und der Unterschied Vorher-Nachher ist gewaltig. Kurz kommt mir der abwegige Gedanke in den Kopf, dass ich bei meiner Rückkehr auch mal wieder die Fenster putzen könnte, aber da ich ohnehin nicht so einen schönen Blick auf das Meer habe, verwerfe ich diese Idee auch schnell wieder



Ines möchte mir heute den "Langstrand" zeigen. Schnell besorgen wir im nahegelegenen Supermarkt noch das Notwendigste (Wein, Sekt, Kühlbox, Eiswürfel zum Feiern und noch den Rest von Kim's Bolognese) und fahren etwa 20 min nach Süden. Der Strand dort ist herrlich und zu dieser Zeit menschenleer. Kaum vorstellbar, dass er sich nächste Woche deutlich füllen und von Autos und Menschen besiedelt sein wird.


In der Ferne ist eine Bohrinsel zu sehen und einige Containerschiffe, die vor der Küste geankert haben. Ich frage mich im Stillen, wie viele davon wohl zu der russischen Schattenflotte gehören.



Der Atlantik ist angenehm warm und die Brandung gemässigt, so dass man mit viel Spass im Wasser toben kann. Martin, Kim, und die Kinder kündigen sich noch an und wir verbringen die Zeit gemeinsam bis zum Sonnenuntergang.



Aud dem Weg zurück darf ich mich auch mal an das Steuer des Toyota setzen und das Gefühl erleben, einmal selbst durch den Wüstensand zu fahren. Herrlich


Am Abend bekommt Ines noch einmal Besuch von ihrer Tante Heidrun, die auch in Swakopmund lebt. Sie bringt eine Flasche Sekt mit... zum Feiern !!



Tag 13


06:30 ... ein ohrenbetäubendes, aber keineswegs unvertrautes Geräusch. Ich versuche mich zu erinnern, wann ich das zuletzt vernommen habe. Muss noch zu meiner aktiven Arbeitszeit gewesen sein. Und tatsächlich, ich kann es wieder zuordnen: der Wecker... und das im Urlaub. Aber es muss sein. Wir wollen heute eine Quad Tour in die Wüste machen, und da sind die Morgenstunden deutlich geeigneter als der heisse Mittag.


Wir machen uns auf den Weg etwas südlich von Swapkopmund nach Walvis Bay. Auf dem Weg dorthin erahnt man bereits die Weite der Wüste, von der wir nur einen Bruchteil erkunden werden. Vor Ort treffen wir, wie nicht schwer zu erraten ist, Martin, Kim und die Kids. Diese sind schon bereits aufgeregt (und ich auch). Wir treffen Farni, unseren Tourguide. Farni ist jugendliche 75 Jahre alt, eigentlich Südafrikaner und führt diese Wüstenbtouren seit mehr als 25 Jahren durch. Es ist nicht nur einfach eine Quad-Tour, es ist eine kultur-historische und politisch-geschichtliche Zeitreise. In wunderbarer Einfühlsamkeit und einem sympathisch gebrochenen Deutsch erläutert uns Farni kurzweilig die Entstehungsgeschichte des Landes und die politische Entwicklung der Neuzeit.



Dann wird es ernst und wir setzen uns auf die kleinen Biester, die uns gleich durch den Wüstensand tragen werden. Nach einer kurzen Einweisung (Start-Stopp, Vorwärts, Halt und Rückwärts) geht's los. Ich fühle mich zurückversetzt, als ich mit meinen Brüdern damals bei uns im Garten mit Go-Carts über die ausgetretenen Pfade im Gemüsebeet gefahren bin. Diesmal eben nur etwas stärker motorisiert.


Wir verlassen gleich nach ein paar hundert Metern die Strasse und sind mitten in der Wildnis. Farni führt uns an ein paar kleinen Hügeln in die Fahrkunst dieser Rennmaschinen einen. "Er kann nicht kippen" meint Farni noch trocken und schickt uns den ersten Steilhang (oder "Hängchen", im Vergleich zu dem was uns noch erwartet) hinunter. Mit der nun gewonnen Routine geht es flott in Richtung Dünen.


Farni hebt des Öfteren die Hand wie ein Zugführer des 13. Panzerbataillons, das heisst so viel wie "Stopp, ich habe Euch etwas zu erzählen". Farni kennt diese Gegend wie seine Westentasche, und das ist noch sehr untertrieben ausgedrückt. Ich lerne soviel, da könnte sich sogar die Sendung mit der Maus noch etwas abschneiden. Er erklärt wie die Dünen zustande kommen, wie schnell eine Wanderdüne läuft (die Kleinen sind schneller als die Grossen, aber jetzt genug der Klugscheisserei), wie sich die Tierwelt im Laufe der Jahrtausende an die wechselnden klimatischen Bedingungen angepasst hat und welche Schäden der Mensch in seiner vergleichsweise kurzen Zeit diesem erstaunlichen Paradies angetan hat. Wir erkunden Tierspuren im versteinerten Ton, die der Wüstenwind über die Zeit freigelegt hat und mit der Zeit auch wieder verschlingen wird, wir sehen Überreste menschlicher Kulturen (ja, Knochen sind auch dabei) und das vielfältige Leben in der Wüste, dass ich überhaupt nicht so wahrnehmen könnte, würde Farni das nicht in seiner eigenen Art erzäehlen, aus der die gleich Leidenschaft sprüht, die ich von mir nur von der Fotografie kenne.



Wir können sogar eine kleine Herde Springböcke beobachten, wobei man sich fragt, wovon sie in der Wüste leben. Die paar Sträucher, die hier trotz der Hitze und des seltenen Wassers wachsen, scheinen den genügsamen Tieren zu reichen. Aber auch das Quadfahren kommt nicht zu kurz und ja, es macht irre Spass über den Sand zu fegen, die Dünen hinauf zu klettern und sich auf der anderen Seite wagemutig wieder herabfallen zu lassen.




Nach etwa 4 Stunden sind wir staubbehangen und mit Eimern voller Wüstensand in den Schuhen wieder sicher zurück.



Danach trennen sich unsre Wege. Die Männer und die Kids versuchen ihr Anglerglück, während mir Ines noch ein paar interessante Spots in Walvis Bay zeigt. Ich verbringe einige Zeit Flamingos und Pelikane in der seichten Lagune zu beobachten und zu fotografieren.



Den Tag beschliessen wir mit einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant "Altstadt", das auch genauso gut on Oberbayern stehen könnte.



Tag 14


Heute keine Pläne. Morgens höre ich verschlafen ein paar Regentropfen an die frisch geputzten Fensterscheiben klopfen. Die kurze Schönwetterpause wollen wir für ein paar Einkäufe der lebensnotwendigsten Utensilien nutzen: Kaffeemaschine, Akkustaubsauger und Strandausrüstung. Nach einer Konsultation von ChatGPT finden wir auch schnell die geeigenten Geschäfte für unser Vorhaben. Die Auswahl etwas übersichtlicher ist als im Mediamarkt im MTZ, fällt unsere Entscheidung auch schnell auf die Kaffeemaschine von DeLonghi, den Akkusauger von Bosch und die Campingstühle von ... äh ... egal, sie sind jedenfalls sau gemütlich und ich freue mich schon auf den ersten Einsatz am Strand.



Wir beschliessen für einen Sundowner nochmal an den nahegelegenen Strand zu gehen. Dafür müssen die Campingstühle noch warten, heute begnügen wir uns mit den ebenfalls neu erstandenen Strandmatten und extra grossen Beach Towels. Das Rauschen der Brandung ist grossartig. Ich befrage ChatGPT, wieviele Wellen wohl seit Bestehen des Atlantiks schon auf die Küste von Namibia gelaufen sind. Die Antwort ist 10 hoch 19. Ich spare mir das Nachzählen und glaube es einfach mal.



Und weil es so schön war, zum Abschluss nochmal in die "Altstadt". Ich bestelle mir ein Hansa Draft und eine Gulaschsuppe... noch nie habe ich so gut deutsch gegessen.



Tag 15


Deja-vu ... der Wecker klingelt schon wieder um 06:30. Nochmal schnell umdrehen und 5 min weiter schlummern. Dann raus aus den Federn. Heute steht die Levo Boots-Tour auf dem Programm. Martin holt uns ab zusammen mit seiner Tochter und Kim und wir fahren wieder nach Walfvis Bay. Nach kurzem Suchen im Hafenviertel finden wir den Steg zum Ablegen. Wir besteigen ein kleines Schnellboot, das wir erfreulicherweise exklusive für uns haben. Unser Skipper heisst Gerald. Er erinnert mich unwillkürlich an den "Seewolf", denn er hat einen unverkennbaren Seefahrer-Rauschebart und seine Hände scheinen mir ebenso geeignet zu sein, um rohe Kartoffeln mit der blossen Hand zu zerdrücken. Er ist aber sehr charmant und nach einer kurzen Sicherheitseinweisung ("Ihr könnt doch ein bisschen schwimmen, oder?") tuckern wir gemächlich durch das Hafenbecken gen offenes Meer.



Es dauert nicht lange, da haben wir auch schon unseren ersten Gast an Bord. Ein Pelikan, der es scheinbar nicht erwarten kann mit den Fischen gefüttert zu werden, die unser Skipper in einem Eimer mit sich führt. Nun kommt sogar noch ein zweiter Pelikan, der uns zur Begrüssung erstmal seine Botschaft quer über das Bootsdeck verteilt. Ich interpretiere das mal als Liebesbeweis.



Schnell ist der Eimer leer und nach ein paar Poser-Bildern verlassen uns die gefiederten Begleiter. Auf den anderen Ausflugsboten ist sicher auch etwas zu holen. Damit wir die lange Fahrt aber nicht alleine verbringen müssen, kommt gleich der nächste Geselle ins Boot gehüpft, eine große Robbe. Auch sie bekommt ihren verdienten Wegezoll und nach ein paar Selfies lässt sie sich wieder ins Wasser gleiten.



Weiter geht es über das jetzt doch wellige Meer und der Bootsrumpf schlägt hart auf dem Wasser auf, das es mich gleich an die Fahrt mit dem Toyota auf der Pad erinnert. Auch nicht besser.


Bald erreichen wir eine vorgelagerte Sandbank, auf der es sich eine Robbenkolonie bequem eingerichtet hat. Mit geschlossenen Augen könnte man meinen, sich in einer Ziegenherde zu befinden, so hört es sich jedenfalls an. Leider kann ich an dieser Stelle den Geruch nur versuchen zu beschreiben, aber eigentlich fehlen einem dazu auch die Worte. Also seid froh, euch mit den Bildern begnügen zu können. Das Gewusel auf der Sandbank ist mindestens genauso eindrucksvoll wie das Gewusel der Ausflugsboote, die sich dicht an dicht vor der Sandbank versammelt haben. Die Robben staunen wohl genauso über uns wie wir über sie.



Wir umkreisen noch ein paar Delphine, von denen aber nicht mehr als die Rückenflosse zu sehen ist .. (also ich nehme jedenfalls an, dass es Delphine waren ....)



Auf dem Rückweg, vorbei an einem versunkenen Piraten(?)Boot, machen wir an einer stillen Stelle noch kurz halt und geniessen einen kleinen Snack auf dem Boot. Prosecco, Austern und belegte Brötchen. Wir werden noch begleitet von den den Möwen, die auf die Reste warten, und dann ist die schöne Tour auch schon wieder zu Ende.



Am Hafen angekommen, kaufen wir in der kleinen Markthalle noch ein paar frische Austern (100 Stück für umgerechnet 70 EUR), machen auf dem Rückweg am Langstrand halt und verspeisen unseren Snack. Man könnte sagen, es geht uns gut.



Heute wird es nicht mehr lang. Wir haben uns zwar nicht viel bewegt, aber die 12 Stunden auf und am Meer machen uns schön müde.



Tag 16


Eigentlich dachte ich heute morgen beim Aufstehen, dass es mal ein schön langweiliger Tag werden könnte, vielleicht auch in der Hoffnung, dass ich mal meinen Blog geschmeidig kurz schreiben kann. Aber jetzt sitze ich abends wieder bei einem Glas Wein vor meinem Computer und staune über die vielen Bilder die ich gesammelt habe, um alles (und noch viel mehr) zu dokumentieren, was ich mit mit Ines und unseren Freunden tagsüber schon wieder erlebt habe.


Es fing mit einem gemütlichen Frühstück an der Hafenmole an. Ich hatte meinen Laptop mitgenommen.um in einem Strandcafe meinen Blog der letzten Tage zu vervollständigen. Der Akku, dessen Ladestand eben noch 01:40 angezeigt hatte, war jedoch bereits nach gefühlt 30 min am Ende. Mit Martin, Kim und Lena, die mittlerweile auch am Strandcafe eingetroffen waren, fuhren wir mit grosser Strandausrüstung (Strandmatten und -tücher, Campingstühle, Bodyboards zum Wellengleiten, Bier, Wein und Austern) zum Langstrand. Charles wird auch noch vorbeischauen, er wohnt nicht weit von diesem Strand entfernt.

Wir verbringen die Mittagsstunden mit Austern knacken und essen und stürzen uns mit den Bodyboards in die Fluten.



Die Wellen, die von weitem noch so behäbig aussahen, wachsen in der Nähe zu wahren Monsterbergen heran. Gar nicht so leicht durch die Brandung zu kommen, um eine Welle weiter draussen zu erwischen, die zur rechten Zeit bricht und einem mit einem gewaltigen Gischtberg wieder zurück ans Ufer trägt.



Der Wind wird stärker und stärker und obgleich wir mit unseren zwei Fahrzeugen und mehreren Windblockern versucht haben, uns ein so gut wie möglich windgeschütztes Plätzchen zu bauen, wird es uns dann doch zu wild und wir beschliessen unsere Zelte abzubrechen, bevor es der raue Wind tut.



Wir hatten die Geländewagen nahe am Wasser geparkt und mussten nun den fast nicht sichtbaren, aber doch vorhandenen Sandhügel wieder hinauf zur Strasse fahren. Wir müssen feststellen, dass auch ein 4-Wheel Offroad Geländewagen an seine Grenzen kommen und im Sand festfahren kann (wir hatten aber auch leichten Gegenwind). Also den zweiten Wagen davor fahren, die beiden mit dem festen Abschleppseil verbinden, dass erfreut war endlich mal wieder zum Einsatz zu kommen. Ein, zwei heftige Rucke und das steckengebliebene Fahrzeug ist wieder befreit.



Wir fahren zurück in die Stadt, noch einmal in das "Tiger Reef" zu einem grossen spicy Double Bacon Cheeseburger. Wir harren aus und bestaunen einen phantastischen Sonnenuntergang, bis wir uns dem immer noch heftigen Wind ergeben, der durch unsere Jacken bläst.




Tag 17


Heute ist nach der langen Zeit des Speisens und des kultivierten Trinkens endlich mal wieder Sport an der Reihe.. also zumindest für die anderen. Ich begnüge mich fürs Erste mal mit dem Zusehen und fotografieren natürlich. In Swakopmund findet heute ein Triathlon Wettbewerb statt. Für die ganz Kleinen mit Streckenlängen die sogar ich mir heute noch zutrauen würde., bis zur olympischen Disziplin. Wir schauen dem Gewusel und buntem Treiben ein wenig zu und fassen gute Vorsätze für das nächste Jahr.




Wir treffen noch kurz Martin, Lena und Kim, die heute wieder zurück auf die Farm fahren. Ines und ich verbringen noch ein paar Tage alleine in Swapkopmund, bevor wir die drei am Donnerstag (Tag 21) wiedersehen werden.



Der Rest des Tages heute ist überschaubar.. Wir setzen uns in ein Cafe und essen ein Omelette, bevor wir zur Wohnung zurück schlendern, wo ich ich ein bisschen an meinem Blog weiterschreibe. Gegen Abend machen wir uns wieder auf den 20 minütigen Fussweg zur Stadtmitte am Strand entlang, um einen Sundowner zu uns zunehmen, genau genommen waren es zwei (für jeden von uns). Dann wieder heim und ab ins Bett schafen gehen.






Tag 18


Heute mal was Lehrreiches und Geschichtliches. Wir haben uns von Mr ChatGPT einen Stadtrundgang zusammenstellen lassen, um etwas über Swakopmund zu lernen und davon zu sehen. Das gilt natürlich besonders für mich, Ines kennt ja schon vieles davon.

Aber erstmal etwas Theorie: Das sagt ChatGPT über die Entstehungsgeschichte von Swakopmund:


Swakopmund wurde 1892 während der deutschen Kolonialzeit in Deutsch-Südwestafrika gegründet. Der Ort entstand, weil das Deutsche Reich einen eigenen Hafen benötigte, nachdem Großbritannien den natürlichen Tiefwasserhafen Walvis Bay besetzt hatte. Swakopmund diente zunächst als Landestelle für Nachschub und Truppen.


Der Name stammt vom Swakop-Fluss und bedeutet vermutlich „Ort des Schilfs“. Durch den Bau einer Landungsbrücke und später der Eisenbahn ins Landesinnere entwickelte sich Swakopmund zu einem wichtigen Verkehrs- und Handelszentrum. Nach dem Ende der deutschen Herrschaft 1915 verlor der Hafen an Bedeutung, blieb aber als Verwaltungs- und Kurort erhalten.


Heute ist Swakopmund eines der wichtigsten Tourismuszentren Namibias. Die Stadt ist bekannt für ihre deutsche Kolonialarchitektur, das kühle Atlantikklima und ihre Lage zwischen Namib-Wüste und Ozean. Sie dient als Ausgangspunkt für Wüstentouren, Abenteuer- und Wassersport sowie Ausflüge wie nach Walvis Bay oder in die Mondlandschaft. Außerdem ist Swakopmund ein bedeutender Wohn-, Bildungs- und Dienstleistungsstandort an der zentralen Küste Namibias.


Wir beginnen unsere Tour an der Mole. Früher wurden hier Waren aus Europa angelandet, da der Hafen sehr schwierig war. Heute ist die Mole ein beliebter Spazier- und Aussichtspunkt mit Blick auf den Atlantik.



Wir besuchen dort das Stadtmuseum. Gleich am Anfang steht eine Vitrine mit einer eindrucksvollen Sammlung von alten Fotoaparten bis zur Polaroid Sofortbildkamera. Fotografieren ist hier ohnehin gross angesagt. Überall sieht man besonders die Schwarzen, die mit einer Canon um den Hals ihre Models (oder Freundinnen(?)) posieren lassen und Bilder schiessen.



Es ist sehr viel zu sehen. In der grossen Halle kann alles mögliche an Getier bestaunen. Die ausgestopften Tiere haben nicht nur den Vorteil, dass sie für ein Foto stillhalten, sie beissen auch deutlich seltener als in der freien Wildbahn. Man kann viel lernen über die geologische Entwicklung und aktuelle Beschaffenheit des ganzen Landes. Lustigerweise ist alles auch in deutsch (teilweise sogar in alt-deutsch) beschrieben.




Interessant sind die Bilder des "Cafe Anton" früher und heute, die die gewaltige Entwicklung der Stadt dokumentieren



Manchmal glaube ich bei meinem Onkel Gerhard in der Wohnung zu stehen, auch er hätte seinen Spass hier: Bierkrüge (Swakopmund hat eine lange deutsche Braukultur), Eisenbahnen, Modellautos und sogar einen Schrank voller alter Rechenmaschinen.



Und natürlich alles über die verschiedenen, heute leider grösstenteils verschwundenen, indogenen Stämme und ihre Lebensweisen. Sie waren auch ohne ChatGPT glücklich, nehme ich an (ihnen blieb aber auch nichts anderes übrig).



Wie bestaunen noch ein paar Reliquien der damaligen Zahnarztzunft. Mit Freude denke ich daran, dass es heute anders zugeht, mit Schrecken aber auch daran, wie lange mein letzter Zahnarztbesuch zurückliegt.



Nach 1,5 Sunden tun uns die Füsse weh als wären wir den ganzen Tag durch die Wüste gelaufen und wir müssen erstmal im Restaurant "Stammtisch" gleich nebenan wieder Kräfte sammeln. Ob das mit dem Eis so eine gute Idee war, weiss ich nicht, denn hier in Afrika wird sogar dem Eis heiss.



Es geht nur ein paar Schritte weiter zum Leuchtturm, das 1902 erbaute Wahrzeichen der Stadt. Leider (oder zum Glück) ist der Leuchtturm für Besichtigungen gesperrt, so sparen wir uns die vermeintlich vielen Stufen des Aufstiegs. Wir verpassen aber leider auch einen schönen Ausblick auf die Stadt und das Meer.



Wir schlendern die Strandpromenade entlang zum Seebrücke, an dem die beiden Restaurants "Tuc" und "Jetty" beheimatet sind, in denen wir bereits letzte Woche schon zu Besuch waren. Wir nutzen die Gelegenheit, um im Tuc einen Platz für Mittwoch, unseren letzten Abend in Swakopmund, zu reservieren.



Der Weg zurück in die Stadtmitte führt uns am Woermannhaus vorbei. Es wurde 1905 als Handelshaus der Firma Woermann erbaut und stellt ein typisches Beispiel deutscher Kolonialarchitektur dar. Der Damara-Turm bietet eine gute Aussicht über die Stadt. Unter anderem auf das Hohenzollernhaus, ein sehr dekoratives Gebäude von 1906 im wilhelminischen Baustil und die Lutherkirche, ein ebenfalls in 1906 im neobarocken Stil errichtetes Gebäude und ein Schmuckstück der Stadt.



Auf unserem weiteren Weg laufen wir an der alten Adler-Apotheke, dem alten Amtsgericht, dem Bahnhof (heute ein Hotel), der berühmten Buchhandlung und dem Casino vorbei. Nachdem ich aber auch schon in Las Vegas kein Glück mit dem Spiel hatte, belassen wir es einfach bei einem interessierten Rundgang. Bond-Girls gibt es auch hier nicht.



Es ist eigentlich nicht verwunderlich, aber auffallend, wie viele deutsche Begriffe man hier im Alltag findet.



Wir landen zum Abschluss in der gemütlichen "Bar Zonder Naamen" (die Bar ohne Namen) und erkunden die umfangreiche Gin Sammlung theoretisch und praktisch.



Im Supermarkt treffen wir die Nachbarn von Ines, die uns spontan für morgen bei sich auf dem Balkon auf ein Gläschen einladen.



Tag 19


Heute wird es ein ruhiger Tag. Wir haben keinen grossen Programmpunkt und leben in den Tag hinein.



Wir bummeln an die Mole und wagen einen Abstecher zu dem kleinen Markt, an dem die Einheimischen kleine Kunstgegenstände auf ihren Teppichen ausgebreitet haben. Irgendwie werden wir als Touristen identifiziert, keine Ahnung warum. Nach ein paar Verhandlungsrunden sind meine Taschen voll und mein Portemonnaie leer. Dennoch sprechen mich die Händler penetrant an. Gut das Ines auf Afrikans deutlich machen kann, dass wir keine weitere Giraffe mehr brauchen.



Einmal in Kauflaune, setzen wir das in der Stadt gleich fort. In den Geschäften sehen wir viele kleine und auch grössere Kunstobjekte, die aus alten Nespressopatronen gefertigt sind. Auch eine Art des Recyclings...



Im nächsten Geschäft springt mich hinterrücks eine braune Lederjacke an. Ein guter Ersatz, denke ich, nachdem ich meine alte geliebte Jacke neulich schweren Herzens entsorgt hatte. Und runtergesetzt ist sie auch noch. Also ein Schnappo. Und wo ich mich jetzt wie Indianer Jones auf der Jagd nach dem heiligen Gral fühle, kommen auch noch gleich ein paar Lederbändchen an mein Handgelenk.. cool...


Auf dem Weg zurück bleiben wir verhängnisvollerweise nochmal im "BZN" (der Bar ohne Namen) hängen....



Den Abend verbringen wir mit Connie und Harry, zwei Deutsch-Namibianer, die in der Wohnung genau über Ines wohnen. Wir geniessen den Ausblick von ihrem Balkon über den weitläufigen Strand und beschliessen den Tag mit einer Flasche Rotwein und einem Glas guten Cognac.


Da darf man dann auch mal ein bisschen kaputt sein. Gute Nacht, meine kleine Robbe




Tag 20


chillig, chilliger, am chilligsten.... auch dieser Tag fängt sehr gemütlich an mit einem warmen Kaffee mit Blick aus dem Fenster aufs Meer.



Danach ein entspannter Strandspaziergang zur andern Seite von Swakopmund zum "Platz am Meer". Unterwegs entdecken wir ein lustiges Labyrinth am Strand, das jemand Fleissiges dort geduldig aus Steinen aufgebaut hat.



Unser Ziel ist der neuere und modernere Teil der Stadt, aber keineswegs der Schönere. Im Einkaufszentrum kaufen wir zum Ausprobieren eine Packung "Macadamia Milk" (bestimmt lecker). Den Einkaufsstress lassen wir bei einem Glas Chenin Blanc (auch lecker) im Blue Grass vergessen. In dieser Bar waren wir auch am allerersten Tag. So schliesst sich der Kreis.



Thorstens Auto, das uns so gute und treue Dienste auf unserer Reise geleistet hat, gönnen wir eine Wellness Kur und lassen es ordentlich putzen.




Dann putzen wir uns selbst und begeben uns auf den Weg ins "Tuc", in dem wir für unseren letzten Abend in Swakopmund heute einen Tisch reserviert haben. Natürlich nicht, ohne uns auf dem Weg dorthin zwischendurch von unser mittlerweile zur Lieblingsbargewordenen "Bar Zonen Naamen" und der netten Kellnerin Nadine zu verabschieden (wenigstens sie hat einen Namen).




Im Tuc erwartet uns ein sehr schöner Fensterplatz mit tollem Blick auf das Meer. Bei Austern (mal wieder), Languste und Fischteller lassen wir es uns richtig gut gehen und feiern den letzten Abend in Swakopmund.





Tag 21



Heute ist unser Abreisetag, Sauber machen ist angesagt. Aus irgendeinem Grund streikt die Waschmaschine und Ines fragt mich, ob ich mal schauen kann. Klar, dem Ingenieur ist ja nichts zu schwör. Als wir aus der Wohnung gehen, frage ich Ines noch, ob sie den Schlüssel hat... (Ines: "ja"). Und ich frage noch, ob ich die Türe zuziehen soll... (Ines: "ja"). Die Waschmaschine ist schnell gefixt, nur die Türe war nicht richtig zu. Etwas schwieriger gestaltet sich der Wiederzutritt zur Wohnung, denn Ines hat statt dem Wohnungsschlüssel den Autoschlüssel eingesteckt. Türe zu, Schlüssel drin, Handy drin, oje... Zum Glück haben wir ja Harry von obendrüber kennengelernt und er ist auch tatsächlich zu Hause im Home Office. Über ihn können wir die Maklerin von Ines erreichen. Sie hat einen Ersatzschlüssel und ist auch tatsächlich in der Nähe. Nochmal gut gegangen. Und immerhin wieder eine lustige Geschichte für meinen Blog. Danke, Ines.


Ein letzter Blick auf Ines schöne Wohnung (das Siegerbier bleibt hier, vielleicht wird es ja nächstes Jahr was mit Platz 1 beim Dash...)



Mit etwas Verzögerung fahren wir vollbeladen Richtung Windhoek, erledigen dort noch ein paar Sachen und machen uns dann weiter auf die Farm. Insgesamt mal wieder schlanke 650 km. Die Strasse ist ziemlich voll und unser alter Toyota tut sich beim Überholen auf der nur zweispurigen Pad etwas schwer. Wir kämpfen uns voran mit schönen Ausblicken in die Natur, kurze Pinkelpause in begriffen.





Das letzte Stück wird wieder etwas holprig, ich freue mich aber über jede Wasserpfütze, das spritzt so schön. Ines denkt nur daran, dass sie das Auto doch gerade hatte putzen lassen.



Unbeirrbar wie ein Esel bringt uns unser fahrbarer Untersatz abends im Dunkel ans Ziel, wo wir von Martin, Kim, Hanjo (Schulfreund von Martin) und einer Heerschar von fliegen Termiten und krabbelnden Käfern mit einem kühlen Bier erwartet werden.





Tag 22


Das Leben auf der Farm ist schon etwas ganz Besonderes. Für die, die zum Glück nicht arbeiten müssen ist es eine Kombination zwischen Erholungsoase und Abenteuerspielplatz. Am Vormittag machen wir einen kleinen Ausflug, um die Feuchte im Acker zu kontrollieren. Martin wird dann entscheiden, ob er auf dem riesigen Feld aussähen möchte. Auf dem Weg dorthin läuft uns ein Löffelhund über den Weg, der kurz neugierig stehen bleibt.



Wir treffen uns wieder auf der Farm zu einem Mittagsimbiss, den wir aus der grossen Schüssel ganz rustikal im Stehen zu uns nehmen. Im Schuppen entdecken wir ein kleines Motocross-Rad, mit dem die Kinder hier über die Steppe brausen (wir hatten Go-Carts und mussten selber schieben). Musste ich natürlich gleich ausprobieren und darüber nachdenken, wie sich wohl meine GS 800 hier schlagen würde, die zu Hause nur gelangweilt rumsteht.



Danach chauffiert uns Lasse (14 Jahre alt) mit einem Geländewagen noch einmal gekonnt über die Pfade. Meine geplanten Drohnenaufnahmen musste ich etwas einschränken, da sich meine Akkus als ziemlich altersschwach erweisen und die Drohne nicht lange in der Luft halten können. Und das hier, wo es einmal richtig Spass macht, das Ding ungestört von Vorschriften, Passanten und (zu) hohen Bäumen fliegen zu können.



Dafür erwische ich mit der Kamera noch ein paar Gnus und Springböcke. Und wir entdecken im Baumnest tatsächlich eine gut versteckte Schlange. Da aber vielleicht einige meiner Leser des Blogs nicht unbedingt positiv angetan sind vom Anblick einer Schlange, habe ich das Bild etwas abgedunkelt. Vielleicht findet sie ja wer, der ganz genau hinschaut.




In einer kleinen Pause des Tages nimmt mich Ines mit zu dem Grab ihres Vaters, der nicht weit vom Haus auf seinem Lieblingsacker unter dem Heiligen Baum seine letzte Ruhe gefunden hat. Ein sehr bewegender Moment, auch für mich.



Am Abend treffen einige Freunde von den Nachbarfarmen ein und wir haben einen Grillabend mit viel leckerem Fleisch vom Lamm, begleitet von kühlem Bier und einem guten Chenin Blanc. Und als dann auch die fliegenden Ameisen endlich aufgegeben haben, wurde es noch richtig gemütlich.



Kurz vor dem Schlafengehen schaue ich mit der Kamera nochmal in den Nachthimmel. Auch wenn es wohl klarere Nächte gibt, ist es im Vergleich zu den Sternenhimmel in Deutschland doch ziemlich hell.




Tag 23


Nicht schon wieder - es raschelt morgens in der Ecke, die nächste Maus. Aber wir haben ja mittlerweile Übung und das Problem ist schnell gelöst.



Kim führt mich an diesem Vormittag in die Welt des Schlachtens ein und ich darf ihm bei zerlegen eines Schafs behilflich sein. Zum Glück ist es schon vorbereitet, so dass die Angelegenheit ohne viel Blutvergiessen vor sich geht.





Dann geht es nach einer ausgedehnten Mittagspause (eine sehr schöne Angewohnheit, die ich auch gerne mit nach Deutschland nehme) fahren wir zum Sporttag nach Summerdown. Wir fahren knapp 60km über die staubige Pad und immer wenn uns eines der (seltenen) Autos entgegen kommt, versinken wir im Staub ... hüstel, hüstel. Man könnte ja vermuten, dass Summerdown eine kleine Stadt ist, wir treffen aber nur bei einem vereinsamten Haus und einer grossen Halle ein. Dort treffen sich die Farmer aus den umliegenden Farmen jeden dritten Samstag im Monat zum Volleyball spielen, Grillen und natürlich Sundowner trinken.



Ich übe mich auch im Volleyball spielen. Wie lange ist das her, dass ich das zum letzten mal gemacht habe. Aber nach ein paar Bällen komme ich langsam wieder rein und es macht mächtig Spass mit den anderen den Ball über das Netz zu kloppen.



Das Holzfeuer brennt schon eifrig vor sich hin und bei Einbruch der Dämmerung kommt der riesige, bereits mit Fleisch bestückten Grillrost. Das ist ein schöner und gebührenden letzter Abend auf meiner Abenteuerreise.



Wieder zu Hause angekommen werden wir noch von einem diesmal wirklich sternenklaren Nachthimmel empfangen, bei dem man die Milchstrasse sogar mit blossem Auge sehen kann. Einfach schön !!




Tag 24



Dreieinhalb Wochen vorbei, Wahnsinn. Wo ist die Zeit geblieben? Lasse (Martins Sohn) ist schon seit sehr früh am Morgen auf den Beinen und kommt gerade mit dem Jeep auf den Hof gefahren. Auf der Ladefläche eine Hyäne, die bei den Schafen gerissen hat und jetzt nicht mehr so gesund aussieht. Lebend wäre sie aber auch nicht freundlicher. Immerhin, jetzt habe ich auch mal eine gesehen und bin mir sicher, dass ich deren Kollegen in freier Wildbahn lieber nicht begegnen möchte.



Wir checken ein (vielleicht klappt ja diesmal Business Class) und fahren ein letztes mal auf die Farm, um einen Weihnachtsbaum zu schlagen. Die üblichen Verkaufsstände, die man aus Deutschland kennt, sucht man hier vergebens. Und auch die Bäume tragen hier ein anderes Kleid. Ich bekomme noch einmal ein paar Tiere vor die Linse, bevor ich meine Kamera wieder sicher für den Rückflug verstaue.



Gestärkt mit einer Spaghetti Bolognese (immer wieder gerne) geht es ans Kofferpacken, ein bisschen Wehmut kommt auch noch in die Seitentasche.

16 Uhr Abfahrt zum Flughafen, um 20 Uhr sollten wir unseren planmässigen Start haben. 05:20 hat mich Deutschland wieder.


Tschüss Namibia, du wunderschönes Land mit Deinen tollen Menschen. Gerne würde ich wiederkommen.



Fazit folgt noch...


 
 
 

Kommentare


bottom of page